Praxistipp

Feilschen auf einem orientalischen Basar

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Keine Frage: Das Einkaufen oder schon nur der Spaziergang auf einem arabischen Markt (Basar / Souq) kann nervenaufreibend sein.

Mit der richtigen mentalen Grundeinstellung, etwas Geduld und Toleranz und viel Entdeckerfreude wird der Besuch auf einem Souq aber ein einmaliges Erlebnis. Die einzigartige Atmosphäre mit den vielen Gerüchen, Farben und Geräuschen gehört sicherlich zu den Highlights jeder Reise in den Orient. 

Vorbemerkungen

  • Die arabische Kultur funktioniert anders, als die zurückhaltende europäische Art. Araber preisen ihre Waren lautstark und offensiv an - das ist normal, dessen muss man sich einfach bewusst sein.
  • Als Touristen sind wir attraktive Käufer - entsprechend ist es nur logisch, dass wir besonders intensiv als Käufer beworben werden.
  • Vergessen Sie nicht, dass viele Menschen in arabischen Ländern relativ arm sind. Sie sind auf Verkäufe zwingend angewiesen, damit sie überleben können. 
  • Seien Sie geduldig, lachen Sie auch mal und erwidern Sie auch das zehnte und zwanzigste "hello, how are you" noch freundlich - Sie werden viel Freundlichkeit zurück erhalten.

Spaziergang durch den Markt

  • Viele arabische Märkte sind unübersichtlich, eine gezielte Orientierung ist oft schwierig. Lassen Sie sich einfach treiben und geniessen Sie die Atmosphäre. Wenn Sie nach Hause möchten, verlassen Sie den Markt und nehmen Sie ein Taxi / orientieren Sie sich mittels Handy und GPS / fragen Sie einen Einheimischen nach einer bekannten Örtlichkeit, von wo aus Sie sich wieder orientieren können - Sie werden immer wieder nach Hause kommen, haben Sie keine Angst davor, vorübergehend die Orientierung zu verlieren!
  • Lassen Sie den Blick schweifen. Wenn Sie stehen bleiben oder bestimmte Produkte genau anschauen, signalisieren Sie Interesse, und man wird sich auf Sie stürzen. Eine Sonnenbrille hilft dabei, sich "anonym" umzuschauen.
  • Wenn Sie unbehelligt bleiben wollen, dann marschieren Sie zügig und zielstrebig, schauen Sie sich nicht um und vermeiden Sie Blickkontakt. Ihre ganze Körperhaltung muss aussagen, dass Sie nicht zum Shoppen hier sind und Sie keinerlei Interesse an den Waren haben.

Feilschen

  • Feilschen Sie nur, wenn Sie sich vorstellen können, das Produkt tatsächlich zu kaufen. Feilschen nur zum Spass und ohne Kaufabsicht ist dem Händler gegenüber unfair. 
  • Manchmal wird man Sie auf einen Tee einladen. Dies gehört gerade in hochpreisigeren Läden zum Abschluss eines Geschäfts dazu. Ohne konkrete Kaufabsichten sollten Sie die Einladung aber ausschlagen, und dies auch so begründen.
  • Nahrungsmittel wie z.B. Brot oder Früchte haben in der Regel Fixpreise, hier wird nicht gehandelt. Das gleiche gilt in Supermärkten. 
  • Je stärker das Produkt auf Touristen ausgerichtet ist, umso stärker sollte gehandelt werden. Um wie viel man den Preis drücken kann, ist regional sehr unterschiedlich. Manchmal erhält man nur 10%, manchmal bezahlt man am Schluss noch einen Viertel des Anfangspreises.
  • Gehen Sie nicht von einer festen Zahl aus ("ich muss mindestens 50% herausholen, sonst hat er mich über's Ohr gezogen"). Wichtig ist lediglich, was das Produkt Ihnen persönlich wert ist, und ob Sie daran Freude haben werden. 
  • Das soll natürlich nicht heissen, dass man bei Kleinigkeiten nicht handeln soll. Auch der Schal für 10 Euro kann (und soll) auf 7 Euro heruntergehandelt werden, das gehört schon nur zum guten Ton. 
  • Den besten Preis bekommen Sie, wenn Sie ein Produkt wirklich nicht wollen. Sobald der Händler Ihr Interesse und Ihren Kaufwillen spürt, wird er natürlich seinen Preis entsprechend erhöhen. Wenn Sie davonlaufen, wird er Ihnen in vielen Fällen (aber natürlich nicht immer) noch ein besseres Angebot hinterherrufen. 

Persönliche Anekdoten

Als ich mit Kunden auf dem Markt in Jerusalem unterwegs war, wurden wir von einem Händler nach unserer Nationalität gefragt. Auf unsere Antwort hin rief er zum Spass, ob wir Schweizer Schokolade für ihn hätten. Es war der letzte Reisetag, und ich hatte tatsächlich noch eine Tafel Schokolade übrig. Ich packte also die Schokolade aus, was ihm dann aber doch schon fast unangenehm war, er wollte zuerst ablehnen. Schlussendlich ergab sich aus der Situation eine herzliche Plauderei, er zeigte uns kurz seinen Laden und freute sich herzlich über die Schoggi (auch wenn niemand etwas von ihm kaufte) - eine Begegnung, wie es sie zwischen Touristen und Händlern leider viel zu selten gibt.


Auf einer anderen Reise wollte ein Teilnehmer in Betlehem auf dem touristischen Markt einen palästinensischen Schal kaufen. Der Händler verlangte 40 Schekel. Ich erzählte dem Kunden, dass ich für meinen eigenen Schal ein Jahr früher in Nablus (auf einem untouristischen Markt) lediglich 20 Schekel bezahlt hätte. Der Händler in Betlehem wollte davon aber nichts wissen, seiner sei bessere Qualität und so weiter. Schliesslich machten wir Anstalten, weiterzugehen, worauf er den Preis auf 30 Schekel senkte. Mein Mitreisender zögerte, liess sich fast auf den Kauf ein, entschied sich aber doch noch dagegen. Wir gingen tatsächlich weiter, worauf er uns nachkam und uns das Tuch doch für 20 Schekel verkaufte - damit hätte wirklich niemand von uns noch gerechnet!


Ein sehr amüsantes Erlebnis hatten wir in Tunesien: Mein Reisepartner wollte auf dem Markt etwas kaufen und er entdeckte einen Strassenhändler mit kleinen Olivenholztrommeln. Es begann ein sehr animiertes Feilschen, da der Händler zuerst einen Fantasiepreis von rund 150 Dinar verlangte. Nach längerem Hin und Her einigten wir uns auf etwa 40 Dinar, und zusätzlich zur Trommel gab es noch eine kleine Rassel und ein Holzkamel dazu. Das Handeln hatte uns zwar schlussendlich einen guten Preis eingebracht, doch nun stehen noch zwei zusätzliche Staubfänger in meiner Wohnung :-)

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